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Nie verstanden

    • Nie verstanden

      Grundlage für diesen Beitrag ist diese... Buchvorstellung



      Ich hab das Problem nie verstanden.
      Gott selbst braucht keine "Sühne". Aber die meisten Menschen wollen unbedingt "Sühne" und haben sie wohl auch nötig; sonst sind sie versöhnungsunfähig. Darum muss Gott sich selbst (und nicht irgend jemand anderes) opfern, um diese Sühne zu bewerkstelligen und die Versöhnung möglich zu machen.
      Weaver scheint von der komischen Idee auszugehen, bei "Gott" und "Jesus" handele es sich um völlig verschiedene Personen, von denen die eine den Tod der anderen fordert.
    • Stogumber schrieb:

      bei "Gott" und "Jesus" handele es sich um völlig verschiedene Personen, von denen die eine den Tod der anderen fordert.
      Abgesehen davon, dass man Gott nicht personifizieren kann, ja es sind zwei völlig verschiedene Personen.

      Nein, Gott verlangte nicht den Tod von Jesus. Aber es gab Menschen die um eigene Interessen durchzusetzen eine solche Vorstellung in die Welt setzten und, andere die solches heute noch predigen.

      Ach ja, gar nicht erst suchen, es gibt in der Bibel keine Trinitätslehre wie die von Nicäa.
    • "... ja es sind zwei völlig verschiedene Personen".
      Nun, das ist jedenfalls nicht theologisch selbstverständlich. Die alte Kirche diskutierte da eine Menge Lösungen zwischen den Extremen des "Tritheismus" (Vater. Sohn und Hl. Geist sind drei Götter) und des "Modalismus" (Vater, Sohn und Hl. Geist sind drei Modi einer Person).
      Ich bin vielleicht etwas extrem in meiner Tendenz zum Modalismus. Aber das andere Extrem, ein Tri- oder Bi-Theismus, ist von der Kirche auch nie akzeptiert worden; d.h. wenn die alten Theologen für die Sühnetheorie argumentiert haben, dann war es für sie immer klar, dass Gott in Jesus sich selber opfert und nicht jemand anders. Insofern geht Weavers Kritik von falschen Voraussetzungen aus.

      Vielleicht beruht die heutige strenge Trennung von Gott und Jesus darauf, dass man stillschweigend die Gottheit Jesu fallen gelassen hat. Das ist ja okay, aber das kann man den alten Theologen nicht unterschieben.
    • Ich kann zur Not auch mit einem theologischen System leben, in dem Jesus bloßer Mensch und "Gott" eine vage unpersönliche Wesenheit ist.
      Trotzdem:
      Die Theologie von Weaver muss jetzt und sofort kritisiert werden, bevor sie sich zur Standardtheologie der deutschen Mennoniten entwickelt. Sie scheint ja schon den Segen von Prof. Enns und von der "Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen" zu haben, und damit bekommt sie ein problematisches Übergewicht.

      Prinzipiell ist festzuhalten:
      1. Der Tod am Kreuz war sinnvoll und von Jesus gewollt, und zwar zur "Vergebung der Sünden". 2. Und Jesus glaubte hierin dem "Willen des Vaters" - was auch immer das ist - zu entsprechen.
      Das impliziert nicht unbedingt, dass die Vergebung der Sünden von der Satisfaktion des Vaters abhing (wie bei Anselm). Man kann alternativ auch an die Satisfaktion des Teufels denken (die Loskauf-Theorie), oder an die Satisfaktion der Menschheit (meine Theorie).

      Ich bitte alle, die Weavers Buch lesen: Messt das Buch daran, ob die Punkte 1 und 2 erfüllt sind.
    • Stogumber schrieb:

      1. Der Tod am Kreuz war sinnvoll und von Jesus gewollt, und zwar zur "Vergebung der Sünden".
      Der Tod am Kreuz war und ist ein brutales Gewaltverbrechen. Wer das nicht als Solches erkennt, versteht meines Erachtens die Botschaft nicht.

      "Laß diesen Kelch an mir vorübergehen!" (Mk. 14,36 + Mt. 26.39) — so viel zur @Stogumbers angebliche gewolltheit Jesus.


      Stogumber schrieb:

      2. Und Jesus glaubte hierin dem "Willen des Vaters" - was auch immer das ist - zu entsprechen.
      „was auch immer das ist“, genau das versucht Weaver im Buch zu erklären. Wobei ihm dies in seinem Neuen Buch „The Nonviolent God“ noch besser gelingt.


      Kleiner Tip am Rande @Stogumber, wie wäre es wenn man das Buch erst läse, bevor man es kritisiert.



      Erlösung findet nicht in einem Sühneopfer, sondern in der erlösenden Liebe Gottes statt. Gott offenbart sich in von Gewaltfreiheit geprägten Jesus-Erzählung und in eben solchen Gottes-Erzählungen, sie findet in der Auferstehungs-Erzählung ihren Höhepunkt. Christlicher Glaube zeigt sich daran, ob dieser sich an Verkündigung Jesus und Leben Jesus orientiert, daran seine Gestalt annimmt.